Teil 1 – Reifeprüfung Pubertät

Die Zeit der Pubertät ist eine Herausforderung für die ganze Familie und auch für die weitere soziale Umgebung der Jugendlichen – vor allem auch die Schule!

Dass sich durch den besonderen Mix der Geschlechtshormone vieles im Körper ihrer Kinder verändert, ist Eltern meist gut bekannt. Wie sehr die körperliche Zentrale, das Denk- und Steuerorgan, das Gehirn, von der Pubertät betroffen ist, darüber wissen viel weniger der Bezugspersonen Bescheid.

Von Experten und Expertinnen der Hirnforschung wissen wir, dass in der Pubertät das Gehirn einen großen Umbau erfährt. Es wird ab dem Beginn der Pubertät (durchschnittlich 11. Lebensjahr) über ein paar Jahre zu einer richtigen „Baustelle“ und bildet sich zu einem effizienten Netzwerk von Hochgeschwindigkeitsverbindungen um. Das Denken wird schließlich schneller und flexibler. Bis zum Endergebnis (durchschnittlich 18. Lebensjahr) ist es allerdings noch ein langer, ereignisreicher Weg.

Zwei Gehirnregionen durchlaufen einen massiven Umbau- und Reifungsprozess mit einprägsamen Folgen: das limbische System und das Vorderhirn, der sogenannte Frontallappen.

Das limbische System ist ein entwicklungsgeschichtlich alter Teil des Gehirns und liegt im Inneren des Gehirns zwischen Großhirn und Hirnstamm.  Es ist für Emotionen, gefühlsmäßige Reaktionen auf die Umwelt und emotionale Verarbeitung von Erfahrungen zuständig. Es steuert Antrieb und Impulse und ist an Lernen und Gedächtnis beteiligt. Die Reifung des limbischen Systems ist relativ schnell abgeschlossen.

Der Frontallappen oder das Vorderhirn liegt hinter der Stirn und braucht für seine Reifung wesentlich länger. Er ist für die Regelung emotionaler Prozesse zuständig, er schaltet Vernunft und Vorsicht ein, er ist für Planung und Entscheidung zuständig und er ist für das Zusammenspiel anderer Hirnareale wichtig.

Dieser Unterschied in der Reifungsgeschwindigkeit der beiden Hirnareale, ein „fertiges“ limbisches System und ein „unfertiger“ Frontallappen führen zu einem Ungleichgewicht und damit zum typischen Verhalten der Pubertierenden:

  • Ihr Verhalten ist risikoreich
  • Sie sind an sofortiger Belohnung interessiert
  • Sie können die langfistigen Folgen ihres Verhaltens nicht oder kaum abschätzen
  • Bis zur Ausreifung des Frontallappens haben Gefühle die Oberhand
  • Die Peergroup ist bedeutsam, was das Risiko noch steigert
  • Schulunterricht ist auf Langfristigkeit ausgelegt – interessiert sie also weniger

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